Redemoment Psychotherapie

Führungskräftecoaching: Warum gute Führung bei der Selbstführung beginnt.

– Julia Benner

Führung ist heute anspruchsvoller als jemals zuvor

Führungskräfte stehen heute vor Herausforderungen, die es in dieser Form vor wenigen Jahrzehnten kaum gab. Sie sollen Entscheidungen treffen, Teams motivieren, Konflikte lösen, Veränderungen begleiten, wirtschaftliche Ziele erreichen und gleichzeitig für ein gesundes Arbeitsklima sorgen. Hinzu kommen Fachkräftemangel, digitale Transformation, hybride Arbeitsmodelle und eine Arbeitswelt, die sich immer schneller verändert. 

Die Anforderungen an Führung sind dadurch deutlich gestiegen. Laut dem Gallup State of the Global Workplace Report berichten Führungskräfte weltweit häufiger von Stress als Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung. Besonders Führungskräfte mittlerer Ebenen gelten als belastet, da sie sowohl Erwartungen des Managements als auch Bedürfnisse ihrer Teams ausbalancieren müssen. Viele Führungskräfte erleben deshalb einen permanenten Spagat: Sie tragen Verantwortung für andere Menschen und verlieren dabei nicht selten den Blick für sich selbst.

In meinen Coachings begegne ich häufig Menschen, die nach außen souverän wirken, innerlich jedoch mit Selbstzweifeln, Erschöpfung, Entscheidungsdruck oder Konflikten kämpfen. Genau deshalb beginnt gute Führung nicht bei Methoden oder Managementtechniken. Sie beginnt bei der Fähigkeit, sich selbst zu führen.


 

Die moderne Führungskraft: Zwischen Verantwortung und Überforderung

Eine aktuelle Gallup Untersuchung zeigt, dass Führungskräfte zu den am stärksten belasteten Berufsgruppen gehören. Besonders häufig berichten sie über:

  • hohen Stress
  • emotionale Erschöpfung
  • Zeitdruck
  • schwierige Personalentscheidungen
  • Konflikte im Team
  • mangelnde Erholung

Gleichzeitig hat sich die Rolle von Führung grundlegend verändert. Mitarbeitende erwarten heute nicht mehr ausschließlich fachliche Kompetenz. Sie wünschen sich Orientierung, Wertschätzung, Transparenz, Entwicklungsmöglichkeiten und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Führungskräfte stehen dadurch vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Sie sollen Leistung ermöglichen und gleichzeitig Menschen führen.


 

An der Spitze wird es oft einsam

Ein Thema, über das selten gesprochen wird, ist die Einsamkeit von Führungskräften. Mit zunehmender Verantwortung verändert sich häufig auch die soziale Rolle. Entscheidungen können nicht mehr mit jedem besprochen werden. Eigene Unsicherheiten werden oft zurückgehalten. Konflikte müssen moderiert werden, auch wenn man selbst betroffen ist. Viele Führungskräfte berichten deshalb von einem Gefühl beruflicher Isolation. Sie haben zahlreiche Kontakte, aber nur wenige Menschen, mit denen sie offen über Zweifel, Ängste oder Belastungen sprechen können.

Eine internationale Korn Ferry Untersuchung beschreibt Einsamkeit und Isolation inzwischen als relevantes Risiko für Führungskräfte. Besonders in verantwortungsvollen Positionen fehlt häufig ein geschützter Raum für ehrliche Reflexion. Genau hier kann Coaching einen wichtigen Ausgleich schaffen.


 

Warum fachliche Kompetenz allein nicht ausreicht

Viele Menschen werden Führungskraft, weil sie fachlich hervorragend sind. Doch gute Führung basiert nur teilweise auf Fachwissen. Studien zeigen, dass Führungserfolg heute wesentlich von sogenannten Soft Skills beeinflusst wird. Dazu gehören insbesondere: emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktkompetenz, Selbstreflexion, Anpassungsfähigkeit, Resilienz und Empathie. 

Die internationale Unternehmensberatung Korn Ferry zählt emotionale Kompetenz mittlerweile zu den wichtigsten Zukunftskompetenzen erfolgreicher Führungskräfte. Denn Mitarbeitende folgen selten ausschließlich fachlicher Autorität. Sie folgen Menschen.


 

Welcher Führungsstil funktioniert heute noch?

Lange Zeit wurden Führungsstile in Kategorien eingeteilt: autoritär, demokratisch, laissez faire oder situativ. Auch wenn diese Modelle bis heute gelehrt werden, zeigt die moderne Führungsforschung ein differenzierteres Bild. Erfolgreiche Führungskräfte orientieren sich heute selten an einem einzigen Führungsstil. Stattdessen passen sie ihr Verhalten flexibel an Situation, Mitarbeitende und Unternehmenskontext an.

Autoritäre Führung

Klare Entscheidungen und eindeutige Vorgaben können insbesondere in Krisensituationen sinnvoll sein. Dauerhaft führt ein stark kontrollierender Führungsstil jedoch häufig zu geringerer Eigenverantwortung, weniger Innovation und sinkender Motivation.

Demokratische Führung

Mitarbeitende werden aktiv in Entscheidungen einbezogen. Dies fördert Engagement, Identifikation und Kreativität. Gleichzeitig können Entscheidungsprozesse verlangsamt werden, wenn Verantwortlichkeiten unklar bleiben.

Laissez faire Führung

Mitarbeitende erhalten große Freiheiten. In hochqualifizierten Teams kann dies gut funktionieren. Fehlen jedoch Orientierung und Struktur, entstehen häufig Unsicherheit und Ineffizienz.

Transformationale Führung

Die moderne Führungsforschung betrachtet transformationale Führung heute als einen der wirksamsten Ansätze. Transformationale Führungskräfte motivieren nicht primär durch Kontrolle, sondern durch Vision, Vertrauen, Sinnvermittlung und persönliche Entwicklung. Eine große Metaanalyse von Judge und Piccolo zeigte, dass transformationale Führung mit höherer Mitarbeiterzufriedenheit, stärkerem Engagement und besseren Leistungsergebnissen verbunden ist.

Die Führungskraft der Zukunft

Die erfolgreichsten Führungskräfte sind nicht diejenigen mit dem „richtigen“ Führungsstil. Sondern diejenigen, die flexibel führen können.

Sie verbinden:

  • Klarheit mit Empathie
  • Orientierung mit Vertrauen
  • Verantwortung mit Eigenständigkeit
  • Leistung mit Menschlichkeit

Genau diese Fähigkeit setzt ein hohes Maß an Selbstreflexion und psychologischer Kompetenz voraus.


 

Führung und emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, Emotionen zu regulieren, andere Menschen zu verstehen und angemessen auf zwischenmenschliche Situationen zu reagieren. 

Studien zeigen, dass Führungskräfte mit hoher emotionaler Intelligenz häufiger Vertrauen aufbauen, Mitarbeitende binden und Konflikte konstruktiv lösen. Besonders interessant: Google identifizierte im Rahmen seines bekannten „Project Aristotle“ psychologische Sicherheit als wichtigsten Erfolgsfaktor leistungsstarker Teams. Menschen arbeiten besser, wenn sie sich sicher fühlen. Nicht wenn sie Angst haben. Emotionale Intelligenz ist deshalb längst kein „Soft Skill“ mehr, sondern eine zentrale Führungskompetenz.


 

Warum Mitarbeiterprobleme oft Führungsprobleme sind und umgekehrt

Viele Führungskräfte suchen Coaching zunächst wegen konkreter Herausforderungen:

  • Konflikte im Team
  • mangelnde Motivation
  • schwierige Mitarbeitende
  • Widerstand gegen Veränderungen
  • Kommunikationsprobleme

Im Verlauf zeigt sich jedoch häufig, dass die eigentliche Frage nicht lautet: „Wie ändere ich meine Mitarbeitenden?“ ,sondern: „Wie gehe ich mit dieser Situation um?“

Coaching bedeutet deshalb selten, andere Menschen zu verändern. Es bedeutet häufig, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern, neue Perspektiven zu entwickeln und den Umgang mit schwierigen Situationen zu reflektieren.


 

Wenn der Selbstwert an Leistung gekoppelt ist

Ein Thema, das mir in der Arbeit mit Führungskräften besonders häufig begegnet, ist die Verbindung von Selbstwert und Leistung. Viele erfolgreiche Menschen haben früh gelernt: Ich bin wertvoll, wenn ich leiste. Diese Haltung kann kurzfristig sehr erfolgreich machen. Langfristig birgt sie jedoch Risiken. Denn wenn der eigene Selbstwert ausschließlich von Erfolg, Verantwortung oder beruflicher Leistung abhängt, entstehen häufig:

  • chronischer Druck
  • Selbstzweifel
  • Überforderung
  • Schwierigkeiten abzuschalten
  • erhöhte Burnout Gefahr

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch in meinem Artikel über Selbstwert und Lebenszufriedenheit.


 

Resilienz: Warum manche Führungskräfte gesünder mit Druck umgehen

Nicht jede Führungskraft reagiert gleich auf Belastungen. Ein entscheidender Schutzfaktor ist Resilienz. Resiliente Menschen erleben ebenfalls Stress. Sie können jedoch besser mit Unsicherheit, Rückschlägen und Krisen umgehen. Studien zeigen, dass resiliente Führungskräfte:

  • weniger Burnout Symptome entwickeln
  • flexibler auf Veränderungen reagieren
  • bessere Entscheidungen treffen
  • positivere Teamkulturen schaffen

Resilienz bedeutet dabei nicht, immer stark sein zu müssen. Sie bedeutet vielmehr, nach Belastungen wieder in die eigene Stabilität zurückzufinden. Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Artikel über Resilienz und psychische Widerstandskraft.


 

Was Mitarbeitende heute von Führung erwarten

Die Erwartungen an Führung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Insbesondere jüngere Generationen wünschen sich zunehmend: Wertschätzung, Transparenz, Entwicklungsmöglichkeiten, Sinnhaftigkeit, psychologische Sicherheit und flexible Arbeitsmodelle. 

Eine aktuelle Gallup Studie zeigt, dass die direkte Führungskraft weiterhin einer der wichtigsten Faktoren für Mitarbeiterbindung und Arbeitszufriedenheit ist. Menschen verlassen häufig nicht primär Unternehmen. Sie verlassen schlechte Führung. Dieser Satz mag zugespitzt wirken, wird jedoch durch zahlreiche Studien gestützt. Führung hat erheblichen Einfluss auf Motivation, Gesundheit und langfristige Bindung von Mitarbeitenden.


 

Warum Coaching für Führungskräfte heute wichtiger ist denn je

Viele Führungskräfte suchen Unterstützung erst dann, wenn die Belastung bereits sehr hoch geworden ist. Dabei kann Coaching auch präventiv sinnvoll sein. Ein professionelles Coaching bietet die Möglichkeit,

  • Entscheidungen zu reflektieren
  • Konflikte zu analysieren
  • Führungsverhalten weiterzuentwickeln
  • eigene Muster besser zu verstehen
  • Stress frühzeitig zu erkennen
  • neue Perspektiven zu gewinnen

Gerade in verantwortungsvollen Positionen fehlt häufig ein neutraler Gesprächspartner, mit dem Themen offen besprochen werden können. Genau hier kann Coaching wertvolle Unterstützung leisten.


Was psychotherapeutische Expertise im Coaching zusätzlich leisten kann

Coaching und Psychotherapie verfolgen unterschiedliche Ziele. Gleichzeitig profitieren viele Führungskräfte von psychotherapeutischem Fachwissen. Denn Führung ist immer auch Psychologie.

Es geht um:

  • Motivation
  • Konflikte
  • Kommunikation
  • Emotionen
  • Veränderungsprozesse
  • Selbstwert
  • Beziehungen

Als approbierte Psychotherapeutin beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit menschlichem Verhalten, Emotionen und Veränderungsprozessen. Diese Expertise ermöglicht häufig einen tieferen Blick auf wiederkehrende Muster, Blockaden oder Belastungen, die sich auch im beruflichen Kontext zeigen können. Das Ziel ist dabei nicht Therapie im Unternehmen, sondern ein fundiertes Verständnis menschlicher Dynamiken.


Mein Coaching Ansatz bei Redemoment

In meinem Coaching begleite ich Führungskräfte, Unternehmer:innen und Menschen mit hoher Verantwortung dabei, ihren eigenen Weg von Führung zu entwickeln. Dabei stehen nicht starre Führungsmodelle im Mittelpunkt, sondern eher Fragen wie:

  • Wie möchte ich führen?
  • Welche Muster beeinflussen mein Verhalten?
  • Wie gehe ich mit Druck um?
  • Wie setze ich Grenzen?
  • Wie kommuniziere ich klar und wertschätzend?
  • Wie bleibe ich langfristig gesund und leistungsfähig?

Mein Ansatz verbindet also psychologisches Fachwissen, langjährige Erfahrung und einen klaren Blick auf die Herausforderungen moderner Führung.


 

Fazit: Gute Führung beginnt nicht beim Team

Viele Menschen glauben, Führung beginne bei den Mitarbeitenden. Tatsächlich beginnt sie häufig bei uns selbst. Bei unserer Fähigkeit zur Selbstreflexion. Bei unserem Umgang mit Druck. Bei unserem Selbstwert. Bei unserer Kommunikation. Und bei der Bereitschaft, auch die eigene Entwicklung ernst zu nehmen.

Denn Führung bedeutet weit mehr, als Ziele zu erreichen oder Entscheidungen zu treffen. Führung bedeutet, Orientierung zu geben, wenn Unsicherheit entsteht. Verantwortung zu übernehmen, wenn andere zögern. Zuzuhören, auch wenn der eigene Kalender voll ist. Und Mensch zu bleiben, während man täglich für andere Verantwortung trägt. Gerade darin liegt jedoch auch die Herausforderung:

Wer ständig für andere da ist, verliert manchmal den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Ressourcen. Deshalb ist Selbstführung keine Nebensache. Sie ist die Grundlage guter Führung. Die stärksten Führungskräfte sind nicht diejenigen, die niemals zweifeln oder niemals Fehler machen. Es sind diejenigen, die bereit sind, sich selbst ehrlich zu reflektieren, weiterzuentwickeln und auch in anspruchsvollen Situationen authentisch zu bleiben. Denn Menschen folgen selten perfekten Führungskräften. Sie folgen Führungskräften, die glaubwürdig, menschlich und klar sind.

Und genau dort beginnt nachhaltige Führung.


Quellen

  • Gallup (2025). State of the Global Workplace Report.
  • Korn Ferry (2024/2025). Future of Leadership Studies.
  • Judge, T. A. & Piccolo, R. F. (2004). Transformational and Transactional Leadership: A Meta Analytic Test.
  • Edmondson, A. (2019). The Fearless Organization.
  • Google Project Aristotle (2016, weiterhin vielfach bestätigt).
  • Goleman, D. (2020). Emotional Intelligence and Leadership.
  • World Economic Forum (2025). Future of Jobs Report.
  • McKinsey & Company (2024). The State of Organizations.
  • Harvard Business Review (2024). Leadership, Resilience and Organizational Performance.