Redemoment Psychotherapie

Wenn die Diagnose alles verändert: Psychische Unterstützung bei schweren Erkrankungen

Wenn die Diagnose alles verändert: Psychische Unterstützung bei schweren Erkrankungen – Julia Benner Eine schwerwiegende körperliche Erkrankung – wie etwa eine Krebserkrankung – betrifft nie nur den Körper. Sie trifft den Menschen in seiner Ganzheit: emotional, mental, existenziell. Oft verändert sich von einem Moment auf den anderen das gesamte Leben. Für die Betroffenen ebenso wie für ihre Angehörigen. Viele empfinden die Zeit der Diagnose, Therapie und Nachsorge als einen Ausnahmezustand, in dem Sicherheit, Zukunftsperspektiven und gewohnte Rollen ins Wanken geraten. Genau hier setzt psychotherapeutische bzw. psychoonkologische Begleitung an , als wertvolle Unterstützung, um innerlich stabil zu bleiben oder es wieder zu werden. Was ist Psychoonkologie? Die Psychoonkologie ist ein spezialisiertes Teilgebiet der Psychotherapie, das sich mit den emotionalen, sozialen und existenziellen Herausforderungen im Rahmen einer Krebserkrankung beschäftigt. Doch auch bei anderen schweren chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Herzinsuffizienz oder chronischen Schmerzen kann psychische Begleitung essenziell sein. Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums entwickeln etwa ein Drittel aller Krebspatient:innen im Verlauf der Erkrankung eine behandlungsbedürftige psychische Störung , am häufigsten Depressionen oder Angststörungen (Mehnert et al., 2014). Dabei sind psychische Belastung und Krankheitsverlauf eng miteinander verknüpft: Emotionale Stabilität fördert nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Therapietreue und Selbstfürsorge. Viele Patient:innen erleben nach der Diagnose einen inneren Schock , gefolgt von emotionaler Überforderung, Ängsten und dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Gefühle wie Wut, Scham, Schuld oder Hoffnungslosigkeit sind ebenso häufig wie kreisende Gedanken über Therapie, Sterblichkeit oder das „Danach“. Eine Metaanalyse von Faller et al. (2013) zeigt: Psychotherapeutische Interventionen führen bei Krebspatient:innen signifikant zu einer Reduktion von Depressivität und Angst sowie zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Therapie hilft dabei: sich im emotionalen Chaos zu orientieren mit Kontrollverlust und Unsicherheit umzugehen Kraftquellen (wieder) zu entdecken medizinische Informationen besser zu verarbeiten neue Perspektiven für ein verändertes Leben zu entwickeln Auch körpernahe Methoden wie achtsamkeitsbasierte Verfahren oder imaginative Techniken sind nachweislich wirksam, wie etwa das „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (MBSR), das in Studien zu messbaren Verbesserungen der Stressresistenz und emotionalen Stabilität führte (Carlson et al., 2014). Für Angehörige: Zwischen Verantwortung, Hilflosigkeit und Selbstverlust Nicht selten stehen Angehörige unter doppeltem Druck: Sie wollen trösten, stützen, organisieren und gleichzeitig selbst mit der eigenen Angst und Erschütterung klarkommen. Studien zeigen, dass Angehörige von Krebspatient:innen mindestens ebenso stark psychisch belastet sein können wie die Patient:innen selbst (Pitceathly & Maguire, 2003). Psychotherapie oder Angehörigenberatung kann helfen: Gefühle wie Überforderung, Schuld oder Erschöpfung zuzulassen Grenzen liebevoll und klar zu setzen mit der Sprachlosigkeit umzugehen die Beziehung zum erkrankten Menschen bewusst zu gestalten sich selbst nicht zu verlieren – auch in der Rolle als „Stütze“ Gerade in der palliativen Phase oder nach einem Verlust kann therapeutische Begleitung auch dabei helfen, Trauerprozesse nicht zu verdrängen, sondern sie als Teil eines individuellen Wachstumsprozesses zu integrieren. Psychische Gesundheit ist kein Luxus – sondern Teil der Behandlung Psychische Belastung ist kein Randthema, sondern medizinisch relevant. Die S3-Leitlinie „Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung“ (AWMF, 2014) empfiehlt ausdrücklich eine strukturierte psychologische Begleitung von Betroffenen und Angehörigen. Auch in der evidenzbasierten Versorgung chronisch Erkrankter wird zunehmend erkannt, dass emotionale Resilienz ein wesentlicher Einflussfaktor für das Behandlungsergebnis ist (Bennett et al., 2018). Psychotherapie ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Mut und Selbstfürsorge – und ein wichtiger Teil einer ganzheitlichen, menschlichen Medizin. Wie finde ich passende Unterstützung? In onkologischen Zentren oder großen Kliniken gibt es meist eigene psychoonkologische Dienste. Auch ambulante Psychotherapeut:innen mit Erfahrung im Bereich chronischer Erkrankungen können eine wertvolle Anlaufstelle sein. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für Erstgespräche oder Gruppenangebote, und ergänzend kann der Austausch in Selbsthilfegruppen das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein. Auch Online-Angebote mit evidenzbasierter psychologischer Unterstützung – wie etwa „Make it Count“ oder „Krebs und Psyche“ – gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wenn du dich angesprochen fühlst und auf der Suche nach einer begleiteten, psychologisch fundierten Auseinandersetzung mit dem erkrankten Körper, den inneren Reaktionen oder deiner Rolle als Angehörige:r bist, dann findest du in meiner Praxis Redemoment einen geschützten Raum dafür. Ich begleite Menschen in belastenden medizinischen Lebensphasen mit Klarheit, Wertschätzung und therapeutischer Erfahrung, sowohl in Einzelgesprächen als auch in familiären Konstellationen. Die therapeutische Arbeit orientiert sich dabei nicht nur an deinen Symptomen, sondern an dem, was dich trägt, stärkt und wieder mit deinem inneren Boden verbindet – auch in Zeiten, die dich erschüttern. Fazit: Auch seelische Wunden brauchen Fürsorge Schwere Erkrankungen verändern vieles – aber sie können auch einen Raum für neue Perspektiven eröffnen: auf das, was im Leben wirklich zählt. Psychotherapeutische Begleitung ist kein Allheilmittel. Aber sie kann ein stabilisierender Anker sein, ein geschützter Raum für das, was sonst keinen Platz findet, und ein Weg, sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen. Du bist nicht allein. Und du musst da auch nicht allein durch. Quellen (Auswahl): Mehnert, A. et al. (2014). Prevalence of mental disorders in cancer patients: A meta-analysis. Journal of the National Cancer Institute, 106(7). Faller, H. et al. (2013). Effectiveness of psycho-oncologic interventions on emotional distress and quality of life in adult patients with cancer: systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Oncology, 31(6), 782–793. Carlson, L. E. et al. (2014). Mindfulness-based cancer recovery and supportive-expressive therapy maintain telomere length relative to controls in distressed breast cancer survivors. Cancer, 121(3), 476–484. Pitceathly, C., & Maguire, P. (2003). The psychological impact of cancer on patients‘ partners and other key relatives: a review. European Journal of Cancer, 39(11), 1517–1524. Deutsche Krebsgesellschaft / AWMF (2014). S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten. Bennett, B. et al. (2018). The role of psychosocial factors in chronic disease management: A systematic review. Health Psychology Open.

Glücklichsein: Ein wissenschaftlich fundierter Weg zu mehr Lebensfreude

Glücklichsein: Ein wissenschaftlich fundierter Weg zu mehr Lebensfreude – Julia Benner Glücklichsein ist mehr als ein flüchtiges Gefühl – es ist eine innere Haltung, die wir aktiv beeinflussen können. Doch was bedeutet Glück eigentlich? Und wie können wir es nachhaltig in unser Leben integrieren? In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse über das Glücklichsein und stellen eine einfache Alltagsübung vor, die Ihre Lebensfreude steigern kann. Was sagt die Wissenschaft? Glück entspricht unserem subjektiven Wohlbefinden und entsteht aus vier dynamischen Faktoren:   Interessanterweise zeigt die Forschung, dass materielle Besitztümer nur kurzfristig zu einem Glücksgefühl führen, während soziale Beziehungen, Dankbarkeit und Achtsamkeit nachhaltige Effekte haben. Auch spielt Glück eine bedeutende Rolle für unsere körperliche Gesundheit: Menschen, die sich glücklich fühlen, haben ein stärkeres Immunsystem, erholen sich schneller und leben länger. Vielleicht haben Alltagsbelastungen, Arbeitsplatzsuche oder -unzufriedenheit, traumatische Erlebnisse, Liebeskummer oder andere Belastungen dazu geführt, dass unsere Stimmung in ein Ungleichgewicht geraten ist und es uns zuweilen schwerfällt, wieder glücklich zu sein. Fakt ist: Wer viel ausprobiert, gibt dem Zufall alleine schon statistisch eine größere Chance. Doch wie dazu aufraffen? Menschen, die beispielsweise an einer Depression leiden, mangelt es häufig vor allem genau an einem: dem Antrieb. Es fehlt die nötige Energie, sich aufzuraffen, und das Bett erscheint viel verlockender. Einfach die Welt mit ihren Problemen, die sie mitbringt, ausblenden, Decke über den Kopf ziehen und am besten unsichtbar sein. Doch leider verändert sich dadurch an der Stimmung recht wenig. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist völlig in Ordnung, sich in bestimmten Lebensphasen für einen gewissen Zeitraum zurückzuziehen und sich mit Gefühlen von Traurigkeit, vielleicht auch von Enttäuschung, Angst, Scham und Wut auseinanderzusetzen. Gefühle zuzulassen ist ein wichtiger Prozess der Verarbeitung. Die Chemie des Glücks Unser Glücksempfinden wird auch durch vier wichtige Botenstoffe im Gehirn beeinflusst: Während Dopamin eher kurzfristiges Glück wie Vorfreude oder Lust erzeugt, sorgt Serotonin für eine tiefere, nachhaltigere Zufriedenheit. Dieses Wissen hilft uns zu verstehen, warum manche kurzfristige Freuden wie Shopping oder Social Media nur momentanes Glück bringen, während langfristige Werte wie Liebe, Sinnhaftigkeit und Dankbarkeit nachhaltiger wirken. Die Gefahr der hedonistischen Tretmühle Viele Menschen jagen einem idealisierten Glück hinterher, ohne jemals anzukommen – ein Phänomen, das als hedonistische Tretmühle bekannt ist. Immer neue Erlebnisse oder materielle Erfolge werden angestrebt, aber das Glücksgefühl hält nicht lange an. Besonders problematisch ist das ständige Vergleichen mit anderen – sei es durch soziale Medien oder im echten Leben. Wer immer das „perfekte Leben“ sucht, findet meist nur Enttäuschung. Tatsächlich sind Menschen, die lernen, dass „gut“ oft auch „gut genug“ ist, langfristig glücklicher als diejenigen, die unaufhörlich nach dem Besseren streben. Eine einfache Übung für mehr Glück im Alltag Eine effektive Methode, um das eigene Glücksempfinden zu steigern, ist die sogenannte Drei-Gute-Dinge-Übung. Diese wurde in zahlreichen Studien als glücksfördernd belegt. So funktioniert die Übung: Durch diese einfache Praxis wird Ihr Gehirn darauf trainiert, das Positive im Alltag bewusst wahrzunehmen – eine Gewohnheit, die langfristig zu mehr Zufriedenheit führt. Fazit: Glück ist eine innere Haltung Glücklichsein ist kein Zufall, sondern ein aktiver Prozess, den wir selbst gestalten können. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Glück vor allem in sozialen Beziehungen, sinnerfülltem Handeln und bewusst erlebten positiven Momenten liegt. Gleichzeitig sollten wir akzeptieren, dass Kummer und schwierige Zeiten zum Leben dazugehören. Wer sein Glück bewusst pflegt, wird dennoch in schwierigen Phasen widerstandsfähiger sein und leichter wieder Freude empfinden. Vielleicht ist die Frage also nicht: „Wie kann ich Leid vermeiden?“, sondern: „Was kann ich Positives daraus gewinnen?“ Wie der Dalai Lama sagte: „Der Sinn unseres Lebens ist es, glücklich zu sein. Aber Freude entsteht nicht aus der Vermeidung von Leid, sondern aus der Fähigkeit, es zu transformieren.“ Denn Glück lässt sich nicht einfach finden – es ist eine Entscheidung, die wir jeden Tag aufs Neue treffen können. Wie Verhaltenstherapie in der Privatpraxis Redemoment unterstützen kann Falls Sie das Gefühl haben, dass Ihnen der Weg zu mehr Glück schwerfällt oder Sie immer wieder von negativen Gedanken und Emotionen ausgebremst werden, kann professionelle Unterstützung helfen. In einer Verhaltenstherapie meiner Privatpraxis Redemoment arbeite ich mit Ihnen gezielt daran, individuelle Hindernisse zu erkennen und zu überwinden. Durch bewährte therapeutische Methoden wie kognitive Umstrukturierung, Achtsamkeitstraining und positive Verhaltensänderungen helfe ich Ihnen, Ihren eigenen Weg zu einem zufriedeneren und glücklicheren Leben zu finden. Ob Sie an Ihrem Selbstwertgefühl arbeiten, belastende Gedankenmuster durchbrechen oder mehr Freude in Ihren Alltag bringen möchten – wir begleiten Sie auf diesem Weg mit Empathie und Fachkompetenz. Denn Glück ist nicht nur ein Ziel, sondern ein Prozess, den Sie aktiv gestalten können.

Die Wechselwirkung von Stimmung und Leistungsfähigkeit: Ein wissenschaftlich fundierter Blick auf Selbstwert und Lebenszufriedenheit

Die Wechselwirkung von Stimmung und Leistungsfähigkeit: Ein wissenschaftlich fundierter Blick auf Selbstwert und Lebenszufriedenheit – Julia Benner Unsere psychische Verfassung beeinflusst in erheblichem Maße unsere kognitive Leistungsfähigkeit und unser allgemeines Wohlbefinden. Forschungen aus der Neuropsychologie zeigen, dass positive Emotionen nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch die kognitive Leistungsfähigkeit und Problemlösefähigkeiten verbessern (Fredrickson, 2001). Gleichzeitig kann ein instabiles Selbstwertgefühl zu Stimmungsschwankungen führen, die sich wiederum negativ auf die Motivation und das Durchhaltevermögen auswirken. Ebenso hat sich gezeigt, dass eine dauerhaft gedrückte Stimmung mit einer erhöhten Cortisolausschüttung korreliert, was langfristig zu kognitiven Defiziten und einer verringerten Stressresistenz führen kann (McEwen, 2007). Der Einfluss der Stimmung auf die Leistungsfähigkeit Die Forschung belegt, dass unsere Stimmung maßgeblich bestimmt, wie effektiv wir arbeiten und wie kreativ wir Probleme lösen. Fredrickson & Branigan (2005) fanden heraus, dass positive Emotionen die kognitive Flexibilität fördern und die Verarbeitungskapazität des Gehirns erweitern. Dies zeigt sich insbesondere in Berufen, die ein hohes Maß an Kreativität und Entscheidungsfindung erfordern. Negative Emotionen hingegen können den Fokus verengen und zu einer rigideren Informationsverarbeitung führen (Bolte et al., 2003). Dies kann kurzfristig nützlich sein – etwa bei der Lösung klar definierter, analytischer Aufgaben – langfristig jedoch die Adaptivität und Innovationskraft einschränken. Selbstwert als Schlüsselvariable für Lebenszufriedenheit Ein weiteres zentrales Element ist der Selbstwert, der stark mit sowohl emotionalem Wohlbefinden als auch Leistungsfähigkeit verknüpft ist. Studien zeigen, dass Menschen mit einem stabilen Selbstwert weniger anfällig für stressbedingte Leistungseinbrüche sind (Orth et al., 2010), resistenter gegenüber Misserfolgen und Herausforderungen konstruktiver bewältigen können.  Häufig wird Selbstwert mit beruflichem Erfolg assoziiert, doch diese Verknüpfung birgt Risiken.Wie Selbstwert definiert wird, spielt hierbei eine zentrale Rolle. Studien zeigen, dass eine bedingte Selbstwertregulation – also ein Selbstwert, der primär von externen Erfolgen wie beruflichen Leistungen abhängt – zu einer erhöhten Anfälligkeit für Stress, Angst und depressive Symptome führen kann (Crocker & Park, 2004). Im Gegensatz dazu sind Personen mit einem sogenannten kontingenten Selbstwertgefühl weniger stark von externen Faktoren abhängig. Sie weisen eine gesündere Emotionsregulation auf und zeigen eine größere psychische Widerstandsfähigkeit. Deci und Ryan (2000) postulieren in ihrer Selbstbestimmungstheorie, dass ein stabiler Selbstwert aus intrinsischer Motivation und authentischer Selbstakzeptanz resultiert, während extrinsisch motivierte Leistungsziele oft zu Unsicherheit und einem instabilen Selbstwert führen. Langzeitstudien bestätigen, dass Selbstwert nicht nur eine Konsequenz, sondern auch eine Ursache von Erfolg ist: Eine Metaanalyse von Orth & Robins (2014) zeigt, dass ein gesunder Selbstwert langfristig zu besseren akademischen und beruflichen Leistungen führt, während umgekehrt beruflicher Erfolg nur einen geringen Einfluss auf die langfristige Stabilität des Selbstwertgefühls hat. Die Wechselwirkung zwischen Selbstwert und Stimmung: Ein Risikofaktor für depressive Symptome Ein weiterer besonders bedeutsamer Aspekt ist die gegenseitige Beeinflussung von Selbstwert und Stimmung. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein niedriger Selbstwert nicht nur eine Folge depressiver Verstimmungen sein kann, sondern oft auch als Ursache für die Entstehung von Depressionen fungiert. Die Vulnerabilitätsmodell-Hypothese (Orth et al., 2008) beschreibt, dass Menschen mit einem geringen Selbstwert ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung depressiver Symptome haben, da sie negative Erfahrungen stärker auf sich selbst beziehen und sich in negativen Gedankenmustern verfangen. Eine Langzeitstudie von Sowislo & Orth (2013) bestätigt, dass ein niedriger Selbstwert langfristig depressive Symptome vorhersagt – und nicht umgekehrt. Das bedeutet, dass ein instabiler oder niedrig ausgeprägter Selbstwert eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Depressionen spielt. Gleichzeitig können depressive Zustände den Selbstwert weiter senken, was einen Teufelskreis aus negativen Gedanken, Antriebslosigkeit und Selbstzweifeln entstehen lässt. Dieser Mechanismus hat erhebliche Konsequenzen für die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Menschen mit einer negativen Selbstbewertung neigen dazu, sich selbst strenger zu bewerten und Fehlschläge als persönliche Unzulänglichkeiten zu interpretieren (Beck, 1967). Dies kann zu anhaltender Frustration, Demotivation und letztlich zur Entwicklung depressiver Episoden führen, die nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die berufliche und akademische Leistungsfähigkeit weiter erheblich beeinträchtigen. Verhaltenstherapeutische Ansätze zur Förderung von Selbstwert und Leistungsfähigkeit Die Privatpraxis Redemoment setzt auf verhaltenstherapeutische Strategien, um den Klienten zu einem nachhaltig gesunden Selbstwert zu verhelfen. Ein zentrales Konzept dabei ist die kognitive Umstrukturierung, die darauf abzielt, dysfunktionale Gedankenmuster zu identifizieren und durch realistische, selbstförderliche Bewertungen zu ersetzen. Dies basiert auf den Erkenntnissen der Kognitiven Verhaltenstherapie (Beck, 1976), die nachweislich eine hohe Wirksamkeit in der Behandlung von Selbstwertproblemen und stressbedingten Leistungseinbrüchen zeigt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung eines sogenannten „nicht-kontingenten“ Selbstwerts, bei dem Individuen lernen, ihren Wert nicht nur aus ihrer beruflichen oder akademischen Leistung abzuleiten, sondern auch aus persönlichen Stärken, sozialen Beziehungen und sinnstiftenden Tätigkeiten (Kernis, 2003). Dieser Ansatz hilft dabei, die emotionale Abhängigkeit von externen Erfolgen zu reduzieren und somit langfristig zu einer stabileren psychischen Gesundheit beizutragen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das Training der Selbstmitgefühlspraxis, welche nachweislich die negativen Effekte eines geringen Selbstwerts abmildern kann. Neff (2011) zeigte, dass Menschen mit hohem Selbstmitgefühl weniger anfällig für Selbstkritik sind und sich schneller von Misserfolgen erholen. Leistung und Ehrgeiz als zentrale, aber nicht alleinige Faktoren für Zufriedenheit Wichtig ist jedoch die Differenzierung: Die Erkenntnisse über Selbstwert und emotionale Stabilität bedeuten nicht, dass Ehrgeiz und Leistungsstreben irrelevant sind. Im Gegenteil: Ein hoher Grad an Zielorientierung ist mit höherer Lebenszufriedenheit und beruflichem Erfolg assoziiert. Allerdings ist entscheidend, dass Ehrgeiz nicht auf einer übermäßigen Abhängigkeit von externer Anerkennung basiert. Die Forschung zeigt, dass intrinsisch motivierte Personen, die ihre Ziele aus eigenem Antrieb verfolgen, langfristig eine größere Zufriedenheit und Resilienz aufweisen als solche, die stark auf externe Belohnungen angewiesen sind (Deci & Ryan, 2000). Fazit: Ein balanciertes Konzept für nachhaltige Leistungsfähigkeit Die wissenschaftlichen Erkenntnisse belegen also, dass eine nachhaltige Leistungsfähigkeit nicht nur von Fleiß und Ehrgeiz abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, die eigene Stimmung zu regulieren und einen stabilen Selbstwert zu entwickeln. Da Selbstwert und Stimmung sich gegenseitig beeinflussen, kann eine negative Spirale entstehen, die zu depressiven Symptomen führen kann. Präventive Maßnahmen – wie die Stärkung des Selbstwerts und das Erlernen emotionaler Regulationsstrategien – sind daher essenziell, um langfristig leistungsfähig und psychisch stabil zu bleiben. Es ist nicht das Ziel, Ehrgeiz oder Leistungsorientierung abzuwerten. Vielmehr geht es darum, eine gesunde Balance zwischen ambitioniertem Streben und innerer Zufriedenheit zu finden. Ein ganzheitlicher Ansatz, wie er in meiner Privatpraxis Redemoment verfolgt wird, unterstützt Menschen dabei, ihre Leistungsfähigkeit

Therapiehund in der psychotherapeutischen Praxis: Die Rolle als emotionaler Begleiter

Therapiehund in der psychotherapeutischen Praxis: Die Rolle als emotionaler Begleiter – Julia Benner Sie haben zwei süße Kulleraugen, sind meistens anhänglich, immer gut gelaunt, einfühlsam, treu und aufmerksam. Wer nun gleich an einen neuen Partner und eine Phase der Verliebtheit denkt, liegt leider falsch. Zumindest kein Partner im herkömmlichen Sinn. Die Rede ist von einem behaarten Partner auf vier Pfoten: dem Hund. Tiergestützte Therapie gewinnt zunehmend an Bedeutung in der psychotherapeutischen Praxis. Besonders Hunde werden hier als emotionale Unterstützer eingesetzt, um Patienten bei der Bewältigung von Ängsten, Depressionen oder Stress zu helfen. In meiner Privatpraxis Redemoment setze ich auf innovative und ganzheitliche Ansätze, um meinen Patienten bestmöglich zu helfen. Ein besonderes Element ist der Einsatz meiner Französischen Bulldogge, Luna, die sich durch ihr freundliches und zugewandtes Wesen auszeichnet. Wie Hunde Anspannung regulieren können Bereits Sigmund Freud beobachtete, dass seine Patienten deutlich entspannter wirkten, wenn seine Chow-Chow-Hündin anwesend war. Diese Erfahrung wurde später auch wissenschaftlich bestätigt: Eine Studie der Charité in Berlin zeigte, dass die Anwesenheit eines Hundes bei Patienten mit schweren Depressionen oder Schizophrenie zu einer signifikanten Angstreduktion und einer allgemeinen Entspannung führte (Lang et al., 2010; Hoffmann et al., 2009). Diese positiven Effekte zeigten sich auch bei Patienten, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung litten (z.B. Hamama 2011).Dies liegt vermutlich an der Ausschüttung von Oxytocin – dem sogenannten Bindungshormon – welches das Vertrauen stärkt und Ängste reduziert. Gleichzeitig wird das Stresshormon Cortisol gesenkt. Hunde haben eine beruhigende Wirkung auf Menschen. Ihre bloße Anwesenheit kann zu einer Senkung des Blutdrucks und einer Verringerung des Herzschlags führen. Sie können helfen, akute Stressreaktionen zu mildern und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Patienten sicherer fühlen. Besonders in herausfordernden Therapiesituationen kann ein Hund als „sicherer Hafen“ dienen – eine emotionale Stütze, die dabei hilft, schwierige Themen anzusprechen. Meine französische Bulldogge begrüßt die Patienten bereits am Eingang, was oft als „Eisbrecher“ dient und initiale Spannungen abbaut. Während der Sitzung bietet sie durch ihre ruhige und empathische Art Trost und Sicherheit, insbesondere bei der Bearbeitung schwieriger Themen. Positive Effekte auch außerhalb der Therapie – Bürohund als Stressregulator Nicht nur in der psychotherapeutischen Praxis, sondern auch im Alltag zeigen sich die positiven Effekte von Hunden. Studien haben bewiesen, dass Bürohunde das Stresslevel von Mitarbeitern senken, die Stimmung verbessern und sogar die Produktivität steigern können. Die Anwesenheit eines Hundes im Büro kann dazu beitragen, Anspannung zu reduzieren und ein harmonisches Arbeitsklima zu fördern. Dies lässt sich ebenfalls auf die Therapie übertragen: Wer regelmäßig mit einem Hund in Kontakt kommt, profitiert langfristig von der entspannenden und stimmungsaufhellenden Wirkung. Einfach mal ausprobieren – Die Wirkung von Hunden selbst erleben Sollten Sie sich in einer Belastungssituation befinden, sich gestresst oder niedergeschlagen fühlen, kann der Kontakt zu Hunden eine natürliche Möglichkeit sein, Ihr Wohlbefinden zu steigern. In vielen Tierheimen gibt es die Möglichkeit, mit Hunden Gassi zu gehen – eine wunderbare Gelegenheit, Zeit mit einem Tier zu verbringen, sich an der frischen Luft zu bewegen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Das Tierheim Hamburg beispielsweise bietet genau solche Spaziergänge mit Hunden an. Aber: Bitte beachten Sie, dass der Kontakt zu Hunden nicht für jeden geeignet ist. Sollten Sie Angst vor Hunden haben oder keinen emotionalen Zugang zu Tieren finden, empfehlen wir, alternative Wege zur Stressbewältigung zu suchen. Fazit Der Einsatz von Luna in der Praxis Redemoment bietet eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Psychotherapie. Durch ihre Anwesenheit unterstützt sie die emotionale Regulation, fördert die Entspannung und trägt zu einem vertrauensvollen Therapieumfeld bei. Wir laden Sie herzlich ein, diese besondere Form der Unterstützung in unserer Praxis in Hamburg kennenzulernen.