Redemoment Psychotherapie

Saisonale Depression

Winterdepression erkennen: Symptome, Ursachen und was wirklich hilft – Julia Benner Im Sommer hatte ich in meinem Blog bereits über die sogenannte Sommerdepression geschrieben, ein Phänomen, das vielen Menschen gar nicht bekannt ist. Deutlich häufiger wird dagegen über Stimmungstiefs in der dunklen Jahreszeit gesprochen. Tatsächlich bemerken viele Menschen im Herbst und Winter Veränderungen ihrer Stimmung. Die Tage werden kürzer, morgens ist es dunkel und am Nachmittag scheint der Abend bereits zu beginnen. Viele fühlen sich müder, antriebsloser oder ziehen sich stärker zurück. Während manche lediglich unter einem sogenannten Herbstblues leiden, entwickeln andere eine echte saisonale Depression, auch Winterdepression genannt. Doch woran liegt das eigentlich?  Warum die dunkle Jahreszeit auf die Stimmung schlägt Unser Wohlbefinden wird stärker von Licht, Jahreszeiten und biologischen Rhythmen beeinflusst, als vielen bewusst ist. Mit Beginn des Herbstes verändern sich verschiedene körperliche Prozesse, die sich auch auf unsere Stimmung auswirken können. Weniger Tageslicht: Mit den kürzeren Tagen sinkt die Lichtintensität. Das beeinflusst die Ausschüttung von Melatonin, einem Hormon, das unseren Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Gleichzeitig verändert sich die Aktivität von Botenstoffen wie Serotonin, die eng mit Stimmung und Wohlbefinden verbunden sind.   Vitamin-D-Mangel: In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung während der Wintermonate häufig nicht aus, um ausreichend Vitamin D über die Haut zu bilden. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin D Spiegeln und depressiven Symptomen (Anglin et al., 2013). Ob eine Supplementierung die Stimmung verbessert, hängt jedoch von der individuellen Ausgangslage ab. Daher sollte ein möglicher Mangel ärztlich abgeklärt werden.   Zirkadiane Rhythmik: Unser zirkadianer Rhythmus orientiert sich maßgeblich am Tageslicht. Gerät dieser innere Taktgeber aus dem Gleichgewicht, können Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit zunehmen.   Die bekannteste Form davon ist die saisonale affektive Störung (SAD), oft auch Winterdepression genannt. Schätzungen zufolge sind in Nordeuropa etwa 2–5 % der Bevölkerung betroffen, während bis zu 20 % eine abgeschwächte Form – den sogenannten „Winterblues“ – kennen (Lam & Levitan, 2000, American Journal of Psychiatry).  Typische Symptome einer Winterdepression sind: anhaltende Niedergeschlagenheit erhöhte Müdigkeit und Erschöpfung Antriebslosigkeit sozialer Rückzug vermehrtes Schlafbedürfnis gesteigerter Appetit, insbesondere auf Kohlenhydrate Konzentrationsprobleme Interessenverlust   Winterblues oder Winterdepression? Nicht jede gedrückte Stimmung im Herbst oder Winter ist gleich eine Depression. Viele Menschen bemerken in der dunklen Jahreszeit, dass sie etwas müder, antriebsloser oder weniger aktiv sind als sonst. Diese vorübergehenden Veränderungen werden häufig als Herbstblues oder Winterblues bezeichnet. Von einer saisonalen Depression spricht man dagegen, wenn die Beschwerden deutlich ausgeprägter sind und über einen längeren Zeitraum anhalten. Typisch sind eine anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, starke Antriebslosigkeit oder das Gefühl, den Alltag kaum noch bewältigen zu können. Die Übergänge können fließend sein. Entscheidend ist vor allem, wie stark die Symptome den Alltag, die Lebensqualität und das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigen. Wer ist besonders gefährdet?  Nicht jeder Mensch reagiert gleichermaßen empfindlich auf die dunkle Jahreszeit. Bestimmte Faktoren können das Risiko für eine saisonale Depression erhöhen. Dazu gehören unter anderem: eine persönliche oder familiäre Vorbelastung für Depressionen bereits bestehende psychische Erkrankungen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus wenig Tageslicht im Alltag ein Leben in geografischen Regionen mit langen und dunklen Wintermonaten Frauen sind zudem häufiger von saisonalen Depressionen betroffen als Männer. Warum das so ist, ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen sowohl hormonelle als auch psychosoziale Faktoren eine Rolle. Psychologische Dimension : Warum wir uns anders fühlen Neben den biologischen Prozessen spielen auch psychologische Faktoren eine Rolle: Veränderung des sozialen Rhythmus: Im Sommer verbringen wir mehr Zeit im Freien, bewegen uns häufiger und treffen uns öfter mit anderen Menschen. Im Herbst und Winter verlagert sich vieles nach innen. Das kann Geborgenheit schaffen, bei manchen Menschen aber auch Einsamkeit und Rückzug verstärken.   Grübeln und negative Gedanken: Studien zeigen, dass Menschen in belastenden Phasen häufiger zu Grübeln und pessimistischen Gedanken neigen. Wenn gleichzeitig positive Aktivitäten, Tageslicht und Bewegung abnehmen, fehlen oft wichtige Gegengewichte, die unsere Stimmung stabilisieren.   Symbolik der Jahreszeit: Manche Menschen verbinden den Herbst unbewusst mit Themen wie Vergänglichkeit, Abschied oder Rückzug. Solche Assoziationen können bestehende Gefühle von Traurigkeit oder Melancholie verstärken.   Praktische Strategien: Was helfen kann Die gute Nachricht ist: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die eigene Stimmung aktiv zu unterstützen und dem Stimmungstief entgegenzuwirken. 1. Lichttherapie: Die Lichttherapie gilt als eine der wirksamsten Behandlungen der saisonalen Depression und wird in Leitlinien ausdrücklich empfohlen. Verwendet werden spezielle Lichttherapielampen mit 10.000 Lux. Die Anwendung erfolgt meist morgens für etwa 20 bis 30 Minuten. Auch im Alltag lohnt es sich, möglichst viel Tageslicht zu nutzen. Besonders hilfreich sind Spaziergänge am Vormittag, selbst bei bewölktem Himmel. 2. Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt nachweislich antidepressiv und verbessert das allgemeine Wohlbefinden. Besonders günstig ist Bewegung im Freien, da hier körperliche Aktivität und Tageslicht kombiniert werden.. 3.Struktur & Routinen: Der Herbst lädt zu Rückzug ein, gleichzeitig tut es der Psyche gut, verbindliche Routinen zu haben: Feste Aufstehzeiten, Essenszeiten, kleine Rituale. Auch Achtsamkeits- und Atemübungen helfen, den inneren Fokus zu stärken. 4.Ernährung & Vitamin D: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die körperliche und psychische Gesundheit. Besteht der Verdacht auf einen Vitamin D Mangel, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein. 5.Soziale Kontakte bewusst pflegen: Wenn die Tage kürzer werden, ziehen sich viele Menschen automatisch stärker zurück. Umso wichtiger kann es sein, soziale Kontakte bewusst einzuplanen. Schon kleine Dinge können einen Unterschied machen: ein Telefonat, ein gemeinsamer Spaziergang – können Schutzfaktoren sein. 6.Professionelle Unterstützung suchen: Bei einer ausgeprägten saisonalen Depression reichen Selbsthilfestrategien wie Lichttherapie, Bewegung oder feste Routinen allein jedoch nicht immer aus. In diesen Fällen kann eine psychotherapeutische Begleitung dabei unterstützen, depressive Denk und Verhaltensmuster nachhaltig zu verändern und die psychische Widerstandskraft langfristig zu stärken.   Ein persönlicher Gedanke In meiner Praxis erlebe ich jedes Jahr, wie unterschiedlich Menschen auf die dunkle Jahreszeit reagieren. Während einige den Herbst als wohltuende Entschleunigung erleben, kämpfen andere mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder einer zunehmenden Niedergeschlagenheit. Wichtig ist dabei zu verstehen: Nicht jede Stimmungsschwankung ist gleich eine Depression. Gleichzeitig sollten anhaltende Beschwerden nicht als bloße Wintermüdigkeit abgetan werden. Die gute Nachricht ist, dass wir unserer Psyche nicht hilflos ausgeliefert sind. Licht, Bewegung, soziale Kontakte und feste Routinen können einen wichtigen Beitrag leisten. Manchmal braucht es darüber hinaus professionelle Unterstützung, um belastende Muster zu erkennen und neue Wege im Umgang mit der eigenen

Sommerdepression: Warum die schönste Zeit des Jahres für manche die schwerste ist

Sommerdepression: Warum die schönste Zeit des Jahres für manche die schwerste ist. – Julia Benner „Eigentlich müsste es mir doch gut gehen.“ Die Sonne scheint. Die Tage sind länger. Freunde posten Urlaubsbilder, Grillabende und Ausflüge ans Meer. Überall scheint Leichtigkeit zu herrschen. Und genau deshalb fühlen sich manche Menschen im Sommer besonders schlecht. Während die Welt um sie herum gute Laune erwartet, kämpfen sie mit Erschöpfung, Antriebslosigkeit, innerer Leere oder Niedergeschlagenheit. Viele Betroffene berichten sogar von Schuldgefühlen: „Warum kann ich den Sommer nicht genießen wie alle anderen?“ In meiner Privatpraxis Redemoment begegne ich regelmäßig Menschen, die genau diese Erfahrung machen. Sie fühlen sich isoliert mit ihrem Erleben, weil Depressionen gesellschaftlich häufig mit dunklen Wintertagen verbunden werden. Tatsächlich können depressive Symptome jedoch zu jeder Jahreszeit auftreten, manchmal werden sie durch die Sommermonate sogar verstärkt.   Depression kennt keine Jahreszeit Wenn wir an saisonale Depressionen denken, denken die meisten Menschen an den Winter. Tatsächlich ist die sogenannte Winterdepression wissenschaftlich gut untersucht. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch die Sommermonate psychisch belastend sein können. Aktuelle Daten der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zeigen, dass rund 13 Prozent der Erwachsenen innerhalb eines zweiwöchigen Zeitraums depressive Symptome berichten, unabhängig von der Jahreszeit. Depressionen orientieren sich nicht am Kalender. Darüber hinaus weisen neuere Untersuchungen darauf hin, dass hohe Temperaturen, Hitzewellen und Schlafstörungen das psychische Wohlbefinden negativ beeinflussen können. Forschende beobachten seit einigen Jahren einen Zusammenhang zwischen extremer Hitze und einer Zunahme psychischer Belastungen, psychiatrischer Krisen und depressiver Symptome. Die Vorstellung, dass Sonnenschein automatisch glücklich macht, ist daher ein Mythos.   Warum der Sommer für manche Menschen besonders belastend ist Interessanterweise leiden viele Betroffene nicht nur unter der Depression selbst, sondern zusätzlich unter dem Gefühl, sich anders fühlen zu müssen. Psychologisch lässt sich dies durch ein sogenanntes Diskrepanzmodell erklären. Je größer die Lücke zwischen dem eigenen Erleben und den Erwartungen an sich selbst ist, desto größer wird häufig auch das Leiden. Im Sommer entsteht oft genau diese Diskrepanz: Erwartung:„Ich sollte glücklich sein.“„Ich sollte aktiv sein.“„Ich sollte die Sonne genießen.“ Realität:„Ich bin erschöpft.“„Ich fühle mich leer.“„Ich möchte mich zurückziehen.“ Diese Diskrepanz erzeugt häufig zusätzliche Schuldgefühle, Scham und Selbstkritik. Viele Menschen leiden dann nicht nur unter ihrer eigentlichen Niedergeschlagenheit, sondern zusätzlich unter dem Gedanken, mit ihnen stimme etwas nicht.   Wenn Social Media die Depression verstärkt Ein weiterer Faktor ist die ständige Konfrontation mit den scheinbar perfekten Sommermomenten anderer Menschen. Urlaubsfotos, romantische Sonnenuntergänge, glückliche Paare, Familienausflüge oder Freundesgruppen am Strand prägen unsere Feeds. Dabei vergessen wir leicht, dass soziale Medien selten die gesamte Realität zeigen. Menschen präsentieren dort meist ihre schönsten Momente, nicht ihre Einsamkeit, ihre Konflikte oder ihre Selbstzweifel. Wer bereits belastet ist, erlebt diese Bilder häufig nicht als Inspiration, sondern als schmerzhaften Vergleich. Die Forschung zeigt seit Jahren, dass soziale Vergleiche in sozialen Medien mit geringerer Lebenszufriedenheit, erhöhtem Stress und depressiven Symptomen zusammenhängen können. Besonders Menschen mit einem ohnehin fragilen Selbstwertgefühl reagieren sensibel auf diese Vergleiche. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch in meinem Artikel über die psychischen Folgen von Social Media.   Einsamkeit fühlt sich im Sommer oft besonders schmerzhaft an Im Winter ziehen sich viele Menschen zurück. Im Sommer geht das kaum. Die Welt findet draußen statt. Menschen sitzen in Cafés, verreisen, heiraten, feiern, verbringen Zeit mit ihren Kindern oder Partnern. Wer sich ohnehin einsam fühlt, erlebt den Sommer deshalb häufig nicht als Ablenkung, sondern als ständige Erinnerung daran, was gerade fehlt.Ein Thema, das in Gesprächen immer wieder auftaucht, ist Einsamkeit. . Besonders betroffen sind häufig: Menschen nach Trennungen Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch Alleinlebende Personen mit wenig sozialer Unterstützung Menschen, die sich emotional isoliert fühlen Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass soziale Verbundenheit einer der wichtigsten Schutzfaktoren für psychische Gesundheit ist. Einsamkeit ist deshalb nicht einfach ein unangenehmes Gefühl. Sie gilt heute als relevanter Risikofaktor für Depressionen, Angststörungen und körperliche Erkrankungen.   Wenn der Selbstwert ins Wanken gerät Viele Menschen ziehen ihren Selbstwert unbewusst aus Vergleichen. Wie erfolgreich bin ich? Wie attraktiv bin ich? Wie sieht mein Leben im Vergleich zu anderen aus? Gerade im Sommer werden solche Vergleiche oft besonders sichtbar. Wer ohnehin mit Selbstzweifeln kämpft, erlebt die vermeintliche Lebensfreude anderer Menschen nicht selten als Bestätigung eigener Defizite. Gedanken wie: „Alle anderen sind glücklich.“ „Ich bekomme mein Leben nicht auf die Reihe.“ „Warum schaffe ich das nicht?“ können depressive Symptome zusätzlich verstärken. Die Forschung zeigt dabei einen wichtigen Zusammenhang: Ein niedriger Selbstwert gilt nicht nur als Folge von Depressionen, sondern auch als Risikofaktor für ihre Entstehung. Mehr dazu lesen Sie auch in meinem Artikel über Selbstwert und Lebenszufriedenheit.   Sommerdepression und Resilienz Warum kommen manche Menschen besser durch belastende Lebensphasen als andere? Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Resilienz, also die psychische Widerstandskraft. Resiliente Menschen erleben ebenfalls Krisen, Enttäuschungen und depressive Verstimmungen. Sie verfügen jedoch häufig über Strategien, die ihnen helfen, mit Belastungen umzugehen und sich nach schwierigen Phasen wieder zu stabilisieren. Resilienz bedeutet nicht, immer stark oder positiv sein zu müssen. Vielmehr geht es darum, auch schwierige Gefühle anzuerkennen, ohne von ihnen vollständig überwältigt zu werden. Mehr über dieses Thema erfahren Sie in meinem Artikel über Resilienz und psychische Widerstandskraft.   Woran erkenne ich eine Depression im Sommer? Nicht jede schlechte Stimmung ist eine Depression. Wenn jedoch mehrere der folgenden Symptome über mindestens zwei Wochen bestehen und den Alltag deutlich beeinträchtigen, sollte professionelle Hilfe in Betracht gezogen werden: anhaltende Niedergeschlagenheit Interessenverlust innere Leere Erschöpfung Konzentrationsprobleme Schlafstörungen sozialer Rückzug Gefühle von Hoffnungslosigkeit starke Selbstzweifel verminderter Antrieb Besonders wichtig: Depressionen sehen nicht bei jedem Menschen gleich aus. Manche Betroffene wirken nach außen weiterhin leistungsfähig und funktionieren im Alltag scheinbar problemlos, während sie innerlich stark leiden.   Wie Psychotherapie helfen kann Viele Menschen hoffen zunächst, dass sich ihre Stimmung von selbst wieder verbessert. Manchmal geschieht das. Oft verfestigen sich jedoch negative Gedankenmuster, Rückzug und Selbstzweifel mit der Zeit. Die Verhaltenstherapie zählt heute zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Behandlungsverfahren bei Depressionen. Zahlreiche Metaanalysen zeigen deutliche Verbesserungen depressiver Symptome durch verhaltenstherapeutische Interventionen. In meiner Privatpraxis Redemoment arbeiten wir unter anderem an folgenden Themen: Verstehen der individuellen Ursachen und Auslöser Erkennen negativer Denk und Bewertungsmuster Aufbau hilfreicher Verhaltensstrategien